Nächtliche Blüten und heilende Samen - die Nachtkerze
Im Großen und Ganzen hat sich das Pflanzenreich darauf eingestellt, tagsüber zu blühen. Umso beeindruckender wirken jene Pflanzen, deren Blüten erst in der Dämmerung zu vollem Glanz erstrahlen. So auch die Nachtkerze (Oenothera biennis), die wir hier im Rieselfeld bewundern können, denn sie schmückt so manche öde Baugrube oder den einen oder anderen Wegesrand. Nach einer unscheinbaren Blattrosette im ersten Lebensjahr sprießt im darauffolgenden ein kerzengerader Stängel empor, der zur Sommerzeit jede Nacht mit einigen Blüten geschmückt ist. Wohlgemerkt erst nach Sonnenuntergang, denn die Befruchtung überlassen sie am liebsten den Nachtfaltern. Ein besonderes Schauspiel beobachten jene wachsamen Augen, die das Öffnen der Blüten erleben dürfen: wie im Zeitraffer springen sie plötzlich auf und entfalten sich innerhalb von Minuten zu ihrer vollen Pracht. Wer auch die sinnlichen Genüsse liebt, sollte sich auf keinen Fall den Duft entgehen lassen und vielleicht sogar auch einmal eine Blüte kosten. Eine ungewohnte Gaumenfreude! Daneben haben wir es hier mit einer durchaus prominenten Heilerin zu tun, denn das aus den Samen gewonnene edle Nachtkerzenöl wird heutzutage gerne mit Erfolg unter anderem zur Linderung von Neurodermitis eingesetzt. Jedenfalls ist es für uns kein Fehler, im Spätsommer ab und an von den Samen zu naschen, die lebensnotwendige Fettsäuren enthalten (gut kauen!). Und wenn das nicht reicht, können wir sogar noch die junge Wurzel zu einem schmackhaften Gemüse verarbeiten. Schließlich hat die Nachtkerze nicht ohne Grund volkstümliche Namen wie Schinkenkraut, Esswurzel oder Rapunzel-Sellerie. Nun heißt es, die Augen offen zu halten für diese besondere Rieselfeldbewohnerin!