MINZE UND MELISSE

Die Zitronenmelisse und Pfefferminze haben so manches gemeinsam: sie wachsen oft in enger Nachbarschaft zueinander, enthalten charakteristisch duftende ätherische Öle und gehören beide zu den Lippenblütlern - ganz abgesehen davon können sie sich mitunter üppig im Garten ausbreiten, wenn sie sich wohlfühlen. Vor allem aber sind beide Pflanzen sehr starke Heilkräuter, die wir gerade zu jetzigen Jahreszeit nutzen können, und dabei sticht die Minze vor allem durch ihren erfrischenden, kühlenden Ef-fekt und die Melisse durch ihre beruhigende Eigenschaft hervor.

Die Pfefferminze (Mentha piperita)
ist wohl die häufigste angebaute Kulturpflanze im Haus- und Bauerngarten, auf dem Balkon und vor dem Fensterbrett. Die Pflanze wird so hoch geschätzt, weil sie erfrischt, kühlt und wärmt, gut schmeckt, wohl tut, vieles bekömmlicher macht und Schmerzen lindert. Es wird geschrieben, dass Minze vom lat. „mente“ = Gedanken kommen soll, woran zu erkennen sei, welchen Respekt schon die Römer der Minze als Tonikum des Geistes entgegen brachten. „Piperita“ kommt aus dem Lateinischen und heißt pfefferartig (wegen des Geschmacks). Zu Heilzwecken werden die Blätter eingesetzt – kulinarisch können aber auch die Blütenähren verwendet werden. Die Minze ist am gehaltreichsten, wenn sie gesammelt wird, sobald die ersten Blütenquirle aufgehen. Wenn wir den oberen Triebstängel abernten, treibt sie seitlich wieder kräftig aus, so dass wir uns immer wieder an frischen Blättern erfreuen können.

Herausragend unter den Inhaltstoffen ist zweifelsfrei das äth. Öl - darunter bis zu 60% Men-thol. Selbst in einer Verdünnung von 1:100 000 ist dieser sog. Pfefferminzkampfer, ge-schmacklich noch spürbar.

Heilwirkungen: Die Pfefferminze hat auf den menschlichen Organismus eine desinfizieren-de, anregende, erfrischende,  und kühlende Wirkung – deshalb wird sie z.B. gerne in heißen Ländern getrunken. Ihre inhalative Anwendung bei einer Erkältung fördert Ziliarbewegung, hilft bei hartnäckigem Husten und macht die Atemwege frei. Außerdem ist die Minze ein ü-berzeugendes Magenmittel, wenn Reisebeschwerden, Übelkeit, Brechreiz oder akutes Erbre-chen behandelt werden müssen sowie bei Magen- und Darmbeschwerden, die von Blähun-gen und Krämpfen begleitet werden. Ihre kühlende und schmerzlindernde Wirkung hat als Einreibung bei Sportverletzungen und Prellungen Erfolg. Auf das Herz wirkt das ätherische Öl belebend und ist als Einreibung bei Neuralgien, Kopf- und Rheumaschmerzen wirksam.

Sehr populär in der äußerlichen Anwendung ist das Tigerbal(sa)m, in dem in großem Anteil das ätherische Öl der Pfefferminze enthalten ist. Wir können es uns in vereinfachter Form mit Vaseline (oder einer anderen Salbengrundlage) und einigen Tropfen des ätherischen Öls herstellen. Besonders interessant ist die wissenschaftlich nachgewiesene schmerzstillende Wirkung der Pfefferminze vor allem bei Spannungskopfschmerz, bei welchem sie eine ver-gleichbare Wirksamkeit wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure aufweist.

Rezept: Minzbalsam
50 g Vaseline etwas erwärmen und mit einem Stäbchen ca. 15 Tropfen Pfefferminzöl einrüh-ren. Wenn wir nur 5 Tropfen Pfefferminzöl nehmen, können wir z.B. auch mit Eukalyptus- und je nach Belieben und Beschwerden mit einem weiteren Öl  mischen. Die Salbe wird bei Erkäl-tungen, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen auf die Haut aufgetragen.

Ein heißer Minztee ist ein ausgezeichnetes wärmendes Heilmittel zur Abwehr und Linderung von winterlichen Beschwerden und reguliert die Schleimbildung. Er wird auch bei Magen- und Darmbeschwerden mit großem Erfolg eingesetzt. Um Gallenwirksamkeit zu erzeugen, soll der Tee länger gezogen werden, damit die Bitterkeit zum Tragen kommt.

Rezept: Tee
2 TL frische oder 1 TL getrocknete Blätter werden mit fast kochend heißem Wasser übergos-sen und 10 Minuten mit Abdeckung ziehen gelassen. Möglichst keine fertigen Teebeutel ver-wenden, sondern die Blätter unzerkleinert aufbewahren und erst vor dem Aufgießen zerbrö-seln, weil sich sonst die ätherischen Öle sonst weitgehend verflüchtigt haben.
Somit kann er zur Reinigung der Leber und bei Gallensteinen eingesetzt werden.

Zu beachten: Pfefferminze sollte nicht bei gleichzeitiger homöopathischer Behandlung, bei übersäuertem Magen und als ätherisches Öl nicht bei Säuglingen und Kleinkindern bis zu sechs Jahren eingesetzt werden - durch das Menthol kann es bei ihnen zu einem Glot-tiskrampf mit lebensgefährlichem Atemstillstand kommen. Pfefferminztee ist mit Maßen zu genießen, denn der hohe Gehalt an Menthol schlägt im Dauergebrauch auf den Magen, eine Tee-Kur mit Pfefferminze sollte deshalb nicht länger als 3 Wochen durchgeführt werden.
Stillende Mütter müssen berücksichtigen, dass Pfefferminze den Milchfluss hemmt. Geben Sie Pfefferminzöl außerdem nicht dem Badewasser zu - es vermittelt überstarke Kältereize.

Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
verdankt ihren Namen dem zitronenartigen Duft sowie der Honigbiene (griech. „melitta“), denn mit ihr werden Bienenstöcke ausgerieben, um sie mit ihrer antibiotischen, antiviralen und milbenwidrigen Wirkung sauber zu halten und die Bienen anzulocken. Paracelsus schon lobte die Pflanze als „das beste Kräuterlein für das Herz“ und Hildegard von Bingen schreibt „man lacht gern, wenn man sie isst, da sie das Herz freudig kriegt“. Zu Heilzwecken werden die Blätter vor Blütenbeginn eingesetzt.

Als Inhaltsstoffe stechen bei der Melisse das feine ätherische Öl sowie die Labiaten-Gerbstoffe heraus, welche erwiesenermaßen antivirale und antibakterielle Wirkung zeigen und den Gallenfluss fördern.

Heilwirkungen: Die antivirale Eigenschaften der Melisse machen sie zu einem herausragen-den Heilkraut bei Lippenherpes. Dazu wird sie entweder als Fertigsalbe eingesetzt oder der frisch gepresste Saft mehrmals täglich auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Dazu werden mehrere frische Blätter etwas zerrieben und anschließend mit einer Knoblauchpresse die Kräutersaft-Tropfen ausgepresst. Als entspannendes und beruhigendes Kraut hat die Zitro-nenmelisse bei nervöser Unruhe, Einschlafstörungen und nervösen Magen-, Darm- und Herzbeschwerden ein wichtiges Einsatzgebiet. Die krampflösende Wirkung lindert zudem Menstruationsbeschwerden bei Frauen. Ihre blähungswidrigen und gallentreibenden Eigen-schaften machen sie für Menschen, die empfindlich auf fettreiche Mahlzeiten reagieren, zu einem wichtigen Mittel bei Magen-Darm-Beschwerden. Selbst bei Erschöpfung und Überar-beitung hilft uns dieses vielseitige Kraut.

Zum Einsatz kommt die Zitronenmelisse innerliche meist als Tee. Dazu werden 2 TL frische oder 1 TL getrocknete Blätter zerkleinert und mit fast kochendem Wasser übergossen. Dieser Aufguss wird schnell abgedeckt und 10 Minuten ziehen gelassen. Bei Bedarf trinken Sie den Tee dreimal täglich oder vor dem Schlafengehen. Bekannt ist auch die Anwendung des Krau-tes in einem sogenannten Melissengeist, einem alkoholischen Auszug aus der Zitronenmelis-se (und bei Fertigpräparaten meist in Kombination mit anderen Kräutern). Einen Melissen-geist können wir uns auch selber herstellen:

Rezept: Melissengeist
10 Gramm getrocknete oder 20 Gramm frische Melissenblätter werden zerkleinert, in ein Schraubverschlussglas gefüllt und mit 100 ml Doppelkorn (oder anderem 35- 40%igem Alko-hol) übergossen. Das Glas wird verschlossen, mindestens zwei Wochen stehen gelassen und dabei täglich geschüttelt. Dieser Kräuterauszug hilft bei Stress, in Krisensituationen und bei Schlafstörungen; dazu 1 TL in einem Glas heißen Wasser einnehmen.

Der Melissengeist kann äußerlich auch bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt sowie bei Schlafstörungen und Spannungskopfschmerz auf die Stirn und Schläfe aufgetragen werden. Empfehlenswert ist dann aber auch ein Entspannungsbad mit Zitronenmelisse. Dazu kann einfach ein stark angesetzter Tee dem Badewasser zugegeben oder als edle Variante das kostbare ätherische Öl der Melisse verwendet werden:

Rezept: Entspannungsbad
In einem Becher Bio-Sahne werden 10 Tropfen ätherische Melissenöltropfen verrührt und in dem Badewasser zugegeben. Dieses Bad eignet sich besonders direkt vor dem Zubettgehen.

 

Literaturtipps:

Heide Fischer „Frauenheilpflanzen“, Nymphenburger Verlag 2006, ISBN 3-485-01087-1
Eva Aschenbrenner: Die Kräuterapotheke Gottes, Band 2, Kosmos Verlag 2006, ISBN 3-440-10867-8
Bruno Vonarburg „Natürlich gesund mit Heilpflanzen“, AT-Verlag 2001, ISBN 3-85502-759-5
Susanne Fischer-Rizzi „Himmlische Düfte“, Irisiana-Verlag 9. Auflage 1994, ISBN 3-88034-777-8

 

Sendung am: 
23. Juli 2008
In der Sendung: 
Kaffee oder Tee